Es begann im Juni 2008. Frau Dr. Doerr, die seit vielen Jahren im Tierschutz tätig ist, erhielt von Frau Beeke, einer Deutschen, die mit ihrem Mann in Tarragona lebt, einen Hilferuf...

Hunde aus Tarragona, die einfach nur leben wollen

Eindrücke und Emotionen eines Hundetransportes von Tarragona nach Deutschland.

Es begann im Juni 2008. Frau Dr. Doerr, die seit vielen Jahren im Tierschutz tätig ist, erhielt von Frau  Beeke, einer Deutschen, die mit ihrem Mann in Tarragona lebt, einen Hilferuf. Das städtische  Tierheim soll an einen spanischen Privatmann verkauft werden. Laut seiner Aussage beabsichtigt er,  die Hälfte der Tiere zu töten.

Das Tierheim  in Tarragona wurde für maximal 80 Hunde gebaut. Da aber die Stadt Tarragona, alle herrenlose Hunde in dieses Tierheim bringt, leben zurzeit 350 Hunde dort. Demnach sollten  175 Hunde getötet oder wie der Spanier sagte, entsorgt werden.

Diese Nachricht gelang über Herrn Norbert Weiner, der auch schon lange im Tierschutz tätig ist, zu mir. Wir besprachen die Situation und beschlossen, kurzfristig und unkompliziert zu helfen. Ich erklärte mich bereit, die Organisation des Hilfstransportes zu übernehmen. Ein Fahrzeug konnte ich in kürzester Zeit über Frau Conny Haag, bekommen. Da Frau Dr. Doerr,  Frau Claudia Ludwig vom WDR kennt,  (Tiere suchen ein Zuhause,),   bat sie Frau Ludwig um Mithilfe, die Tarragona Hunde in guten Tierheimen unterzubringen. Frau Ludwig nannte uns die Tierheime, Darmstadt, Rüsselsheim, Offenbach, Gelnhausen, Alsfeld und Bad Karlshafen. Ich  bat  Frau Manuela Görden,  ob sie Frau Dr. Doerr bei der Anfrage an die Tierheime unterstützen würde.  Sie sagte spontan ja, was ich von ihr auch nicht anders erwartet hätte.

Manuela und Frau Dr. Doerr nahmen mit den zuständigen Verantwortlichen der Tierheime Kontakt auf. Alle genannten Tierheime gaben uns die Zusage, Hunde aus Tarragona aufzunehmen. Frau Beeke kümmerte sich vor Ort um die Impfungen und die amtlichen Papiere.

Am Donnerstag, den 18.09.2008 war es dann soweit.  Norbert  und  ich fuhren am Abend in Duisburg ab. Stopps, wurden bis hinter Lyon, nur zum Tanken gemacht. Hinter Lyon gönnten wir uns eine zweistündige Schlafpause. Anschließend fuhren wir durch bis zu unserem Endpunkt, Reus, eine Ortschaft außerhalb von Tarragona. Da unser Navi die Zieladresse nicht erkannte, rief ich Frau Beeke an, die uns in Reus umgehend abholte. Wir wurden durch Frau Beeke und deren Mann, Wolfgang Döring, sehr freundlich und zuvorkommend empfangen. Für unseren Aufenthalt stand uns ein komplettes Haus mit einem Pool zur Verfügung.

Am Samstag, den 20.09.2008 fuhren Norbert und ich, den Transporter zum Tierheim. Das Pflegepersonal war schon vor Ort und freute sich sehr über unsere spontane Hilfe. Frau Beeke führte uns durch das Tierheim. Alle Zwinger waren restlos mit Hunden überfüllt. Ich schaute in viele traurige Hundeaugen, die teilweise bellend oder ganz ruhig in ihren Zwingern saßen. Ich bekam  allmählich ein drückendes Bauchgefühl, da mir alle Hunde Leid taten. Unser Ziel war es, soviel Tiere wie möglich in ein besseres Leben mitzunehmen.

Norbert und ich waren auch sehr darüber erstaunt, dass die ehrenamtlichen Helfer überwiegend junge Leute waren und diese mit  Hingabe den Tieren entgegen traten. Für spanische Verhältnisse, die ich in all den vergangenen Jahren auf spanischen Inseln und dem Festland kennen gelernt hatte, war es für mich sehr ungewöhnlich, aber erfreulich. Um meine Eindrücke festzuhalten, fotografierte ich soviel wie möglich.

Am Nachmittag fuhr uns Frau Beeke zu unserer Schlafstelle, wo wir uns noch einmal für den nächsten Tag ausruhen konnten.  Am Sonntag den 21.09.2008, wurden wir von Frau Beeke um 8:00 Uhr abgeholt. Als wir am Tierheim ankamen, waren alle Helfer und Angestellten des Tierheims schon da.  Selbst die Präsidentin des Tierheims war gekommen. Gegen 9:00 Uhr begannen wir mit dem Einchecken der Hunde. Jeder Helfer hatte seinen Lieblingshund, den er auch unbedingt mitgeben wollte. Es war herzbewegend zu sehen, wie die Helfer ihre Schützlinge verabschiedeten. Mit der Tierheimleitung gelang es uns, alle geplanten 51 Hunde unterzubringen. Es war für uns, sowie für die Helfer, ein riesiger Erfolg. Viele Helfer hatten ein tränendes und ein lachendes Auge. Norbert und ich wurden von der Präsidentin des Tierheims und von einigen Helfern gedrückt. Es waren Gesten der Dankbarkeit. Die Zeit schritt voran und wir mussten Abschied nehmen. Gegen 10:30 Uhr startete Norbert unseren Transporter und wir rollten zur Ausfahrt. Es viel mir schwer so viele Hunde zurück zu lassen, aber es machte mich auch glücklich, 51 Hunde in ein lebenswertes Hundedasein zu führen.

Wir fuhren bis nach Orange in Frankreich  und versorgten dort das erste Mal unsere Tarragona Hunde mit Wasser. Ich war erstaunt, wie ruhig und gelassen die meisten Hunde in ihren Transportzwingern saßen. Wir gaben allen Hunden Wasser und blieben eine zeitlang stehen, damit auch alle in Ruhe trinken konnten. Anschließend fuhren wir non Stopp weiter und kamen am Montag, den 22.09.2008 gegen 5:00 Uhr morgens im Tierheim Darmstadt an.

Um 7:30 Uhr kam das Tierheimpersonal und wir konnten unseren Transporter in die Hofeinfahrt fahren, um die vorgeplanten Hunde auszuchecken. Das dortige Personal war sehr freundlich und kümmerte sich sofort um die Hunde. Norbert und ich wurden erst einmal mit Kaffee versorgt. Nachdem die Tiere untergebracht waren, habe ich mir die Unterbringung der Hunde angesehen. Es war schön zu sehen, wie die Hunde in ihren Zwingern saßen und ein Pfleger sich mit ihnen beschäftigte. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie Angst  hätten. Sie schauten durch ihre Gitter, wedelten mit ihrem Schwanz und ließen sich streicheln. Für uns wurde es Zeit weiterzufahren. Die nächste Station war das Tierheim Rüsselsheim.

Wir trafen gegen 10:00 Uhr im Tierheim Rüsselsheim ein. Es war ein kühler Empfang der Tierheimleitung. Im ersten Augenblick hatte ich das Gefühl, nicht willkommen zu sein und ich dachte innerlich, soll ich unsere Hunde hier abgeben. Im Gespräch mit dem Personal, bekam ich allerdings ein gutes Gefühl, dass die Hunde hier gut versorgt würden. Das Tierheim sah sauber und gepflegt aus, so dass ich mich innerlich wieder beruhigte. Ich verabschiedete mich und bedankte mich für die Hilfe.

Unsere nächste Station war Offenbach. Die Tierheimleitung, sowie das Personal, empfingen uns sehr freundlich und aufgeschlossen. Das Personal kümmerte sich sofort um unsere Hunde, was für mich auch immer an erster Stelle stand. Anschließend wurde ich herumgeführt und konnte fotografieren.  Der erste Vorsitzende  erzählte mir, dass viele Einrichtungen in den letzten Jahren modernisiert wurden.   Jeder Zwinger war mit einem Heizkörper und die Mittelgänge mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Das Personal war sehr jung, freundlich und engagiert.

Zum Abschied blieb ich noch ein paar Minuten bei unseren Hunden. Für mich war es ganz toll, unsere Hunde zufrieden,  sorglos und fressend in den Zwingern zu sehen. Eine Tierpflegerin kümmerte sich um unsere Hunde, so dass ein Hund schon auf dem Rücken lag und sich bekrabbeln ließ. Es war sehr schön zu sehen wie sich die Hunde innerhalb weniger Minuten wohlfühlten und dem Anschein nach, alle Strapazen vergessen hatten. Es war ein Anblick den ich nicht so schnell vergessen werde.

Das nächste Tierheim war in Gelnhausen. Dort sind wir gegen 14:00 Uhr angekommen und wurden mit offenen Armen empfangen. Auch dort wurden unsere Hunde sofort versorgt. Es fiel mir immer schwerer, die Hunde aus den Transportboxen zu holen. Jedes mal musste ich in fragende Hundeaugen schauen. Auch hier habe ich gesehen, wie unsere Tarragona Hunde ihre Ängste verloren. Was mich auch besonders erfreute, dass alle Hunde nicht getrennt, sondern gemeinsam in großen Zwingern untergebracht wurden. Nach einem längeren Gespräch teilte uns die Tierheimleitung mit, dass wir jederzeit, wenn Platz vorhanden ist, Hunde aus Spanien bringen können. Unser Arrangement für die Hunde aus Tarragona, wurde in diesem Tierheim hoch angesehen, da wir uns als Privatleute für die Not leidenden Hunde eingesetzt haben. Nach einem Kaffee verabschiedeten wir uns und fuhren weiter zu unserer vorletzten Station,  Alsfeld.

Alsfeld hat ein ziemlich neues und großes Tierheim. Wir kamen dort gegen 16:50 Uhr an. Die Tierheimleitung, eine sehr engagiert Frau, nahm uns sofort unsere Hunde ab und ließ sie versorgen. Ich unterhielt mich mit Frau Herrholz und konnte auch hier unsere Schützlinge noch einmal ablichten. Frau Herrholz versprach mir, die Hunde direkt auf ihre Internetseite für die Vermittlung zu setzen. Außerdem könnte ich jeder Zeit anrufen, oder mich über das Internet mit ihr in Verdingung setzen. Da wir noch nach Bad Karlshafen mussten und wir noch einmal nach Hause kommen wollten, verabschiedeten wir uns.

In Bad Karlshafen wurden wir schon erwartet. Um 18:20 Uhr fuhren wir auf den Hof  des Tierheims. Jede Menge Personal stand zur Verfügung, um die Hunde auszuchecken. Eine Tierärztin begutachtete die Hunde bevor sie in die Quarantänestation kamen. Die Quarantänestation war eine riesige Anlage, in der 21 Hunde von uns untergebracht werden konnten. Da Norbert und ich ziemlich abgekämpft aussahen, bekamen wir erst einmal ein Stück Kuchen und einen Kaffee. Wir unterhielten uns mit dem Personal über das Tierheim. Das Tierheim ist eine Einrichtung des ETN. Diese Organisation arbeitet europaweit.  Das Tierheim liegt in einer ländlichen Gegend, was mir sehr gefiel. Außerdem ist das Tierheim bewohnt, so dass für die Tiere immer jemand da ist. Eine Tierärztin ist auch angestellt, so dass die tierärztliche Versorgung immer gewährleistet ist. Die Hunde wurden nach Verträglichkeit in Gruppen untergebracht.  Zum Abschied machte ich wieder Fotos von der schönen Tierheimanlage. Da wir noch zwei Podencos nach Essen-Frillendorf transportieren mussten, verabschiedeten wir uns und machten uns auf die letzte Etappe.

In einem Wohngebiet   an der Autobahn  in Essen-Frillendorf, trafen wir uns mit Manuela und ihrem Mann. Wir hatten verabredet, dass die zwei Podencos von Manuela übernommen werden und auf eine Pflegestelle in Velbert gebracht werden. Beim Umsetzen der Hunde durfte ich ein letztes Mal in weit aufgerissene, braune und fragende Kulleraugen schauen. Norbert und ich waren erleichtert, alle Hunde gut untergebracht zu haben und fuhren mit einem guten Gefühl zurück nach Duisburg, wo alles begann.

Ich habe in viele fragende Hundeaugen sehen müssen, die mir alle nur eins vermittelten, ein sorgloses und gesichertes Hundeleben führen zu dürfen.

Während der Fahrt habe ich viele  Emotionen erleben dürfen. Auch wenn ich nicht allen Hunden von Tarragona helfen konnte, werde ich mich weiterhin und intensiv für die Rettung solcher Geschöpfe  über unsere Landesgrenzen hinaus einsetzen. Mit diesem Reisebericht möchte ich mich im Namen der Tarragona Hunde bedanken.

Bei Frau Dr. Doerr, Manuela Görden, Conny Haag, Iris Beeke, Wolfgang Döring, Norbert Weiner, allen Beteiligten im Tierheim Tarragona, sowie den deutschen Tierheimen, die sich bereit erklärt haben, Tiere aus dem Ausland aufzunehmen.

Ein besonderes Dankeschön an Herrn Dr. Thomas Busch, der uns das Fahrzeug für diese Reise zur Verfügung gestellt hat.

Wolfgang Pixa